Fetalkonferenz

Gestern waren wir also in der Klinik zu besagter Fetalkonferenz. Man stelle sich folgendes Szenario vor:

Man kommt in einen dunklen Raum, dort stehen zwei Stühle und fünf Oberärzte und Professoren. Die stellen sich kurz vor, dann setzt man sich auf die Stühle und der Kreis der weißen Herren und Damen bleibt stehen, schnappt sich ein Klemmbrett mit dem Befund und steckt flüsternd die Köpfe darüber zusammen. Dann wird man nochmals zum Ultraschall gebeten, damit man sich ein aktuelles Bild von der Situation machen kann- bis dahin denkt man als Eltern ja noch, dass später noch einer der Ärzte die Befunde erklärt. Also wird wieder geschallt. Der Bildschirm ist so weggedreht, dass weder Mama noch Papa irgendetwas sehen können, die Ärzte flüstern wieder miteinander und dann endlich der erste, wirklich an uns gerichtete Satz: “Ja, das ist ne Harnstauung in beiden Nierenbecken und Harnleitern. Wir machen da jetzt erstmal nix. Das können Klappen sein, das kann auch ein Rückfluss sein oder auch was ganz anderes- das sieht man dann aber erst nach der Geburt. Sie sollten bei uns im Zentrum entbinden, damit man sich das zeitnah anschauen kann.” Noch kurz den Schallkopf auf den Rest des Kindes gehalten, da er ja auch ein sehr niedriges Gewicht hat, dazu gabs aber weiter keine Information. Wir wurden zur Kontrolle wieder zum Pränataldiagnostiker geschickt und nach insgesamt zehn Minuten waren wir draußen. Komplett vor den Kopf gestoßen, weil wir jetzt ja auch nicht schlauer sind als zuvor.

Die ganze Situation dort war von Anfang bis zum Ende so schrecklich- ich bete, dass ich später nicht auch so werde und meine Patienten komplett aus den Augen verliere. Mit uns hat niemand wirklich gesprochen, geschweige denn uns erklärt, was denn bei den möglichen Diagnosen so nach der Geburt auf uns zukommt. Und dann noch dieser kryptische Satz: “Das kann auch was ganz anderes sein, das sieht man aber erst nach der Geburt”. Ich meine, dass will doch keine werdende Mutti in der 35. Woche hören…. Außerdem war kein Kinderchirurg anwesend, obwohl das eigentlich bei solchen Konferenzen normal ist- und unser Sohn hat nunmal ein kinderchirurgisches Problem. Kurzum: wir wurden da durchgeschleust, verabschiedet und alles was blieb ist das dumme Gefühl, dass die Herrschaften in Weiß mehr wissen, als sie uns gesagt haben- ist ja auch kein Wunder, bei den drei Sätzen, die man mit uns gesprochen hat. Leider war auch die Atmosphäre so bedrückend und einschüchternd, dass man sich nicht getraut hat, zwischendurch irgendeine Frage zu stellen oder genauere Erklärungen zu verlangen- alles in allem war es eine der schlimmsten Situationen, die ich bisher in einer Klinik erlebt habe und wir hatten den ganzen restlichen Tag ziemlich daran zu knabbern- denn anstatt uns ein bisschen mehr Sicherheit zu geben und Bedenken zu nehmen, sind wir jetzt noch verunsicherter und wissen überhaupt nicht, was denn jetzt genau mit unserem Sohnemann los ist.

Glücklicherweise kenne ich die Kinderchirurgen durch Famulaturen sehr gut und es scheint so, als würden sie sich jetzt dem Problem annehmen, ich soll morgen einen Termin zum Gespräch vereinbaren. Aber trotzdem bleibt dieses Gefühl, einfach nicht gut aufgehoben zu sein- was machen dann erst Eltern, denen der ganze Klinikzirkus fremd ist? Oder hören die einfach nur nicht das Gras wachsen, so wie ich?

die hasenfrau

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