Posts Tagged With: Angst

Göttingen ist doch so weit weg

Wirklich? Ist Göttingen mit seinem Organspendeskandal wirklich so weit weg, nur weil die Stadt nicht in unserer Nachbarschaft liegt? Ich denke nicht. Das Thema ist allgegenwärtig- in den Medien, im Internet, zu Hause bei den Menschen. Durch das unethische und unmoralische Handeln einiger weniger Ärzte überlegen jetzt viele Menschen, ihren Organspendeausweis abzuschaffen oder sich eben keinen zu besorgen. Und das alles jetzt, jetzt wo die Politik reagiert und die Menschen vermehrt auf den Organmangel aufmerksam machen will, in der Hoffnung auf steigende Spenderzahlen. Ohne diesen Skandal wäre diese Mission vielleicht auch geglückt- aber jetzt? Was bedeutet das für uns?
Für mich als Ärztin bedeutet es Aufklärung zu leisten, mit den Betroffenen zu sprechen und Ängste zu nehmen- noch mehr als zuvor, in einer sowieso schon unsagbar schwierigen Situation. Es bedeutet, vielleicht öfter als vor diesem Ereignis auf Ablehnung und Unverständnis zu stoßen, obwohl man selbst nur ethisch und moralisch richtig handeln möchte. Es bedeutet, manche Menschen nicht retten zu können, weil das Misstrauen der anderen durch solche Skandale immer weiter wächst.
Für mich als Mama eines Kindes, das vielleicht in naher Zukunft auf ein Spenderorgan angewiesen sein könnte bedeutet es Angst. Die Ungewissheit über die gesundheitliche Zukunft unseres Sohnes ist schon zermürbend genug- allerdings habe ich immer an das Gute im Menschen geglaubt und da wir in unserer Familie auch alle zu einer Organspende bereit wären, war ich immer guter Dinge, dass auch Paulchen ein Organ bekommen kann, wenn er eines braucht. Aber jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wer möchte schon im schwierigsten Moment seines Lebens den gerade verlorenen, geliebten Menschen in die Hände einer Berufsgruppe geben, in die man kein Vertrauen mehr hat? Kann ich das verstehen? Ja, ich kann. Ich wäre auch keinem böse, der sich dann doch gegen eine Organspende entscheidet, aber als Mutter eines Kindes, das vielleicht darauf angewiesen ist, macht mir das Angst. Leider weiß ich auch nicht, wie man diesen Vertrauensverlust auffangen kann. Persönlich  kann ich das in Gesprächen mit meiner Familie leisten- ihnen versichern, dass die Sache in Göttingen ein Einzelfall ist und wir in Deutschland ein sehr sicheres und vertrauenswürdiges System zur Organvergabe haben- aber ich kann auch verstehen, dass viele Menschen sich jetzt einfach “zur Sicherheit” gegen eine Organspenden entscheiden werden, da die wenigsten durch ihre Umstände dazu gezwungen sind, sich mit der Thematik eingehend zu beschäftigen.

Ihr dürft das nicht falsch verstehen- natürlich ist die Entscheidung für oder gegen eine Organspende eine sehr private und intime Sache und da darf und soll man sich nicht reinreden lassen- ich habe auch den größten Respekt vor jedem, der sich darüber Gedanken gemacht und eine Entscheidung getroffen hat- ganz egal, wie sie lautet. Hoffentlich führen die Ereignisse in Göttingen nicht einfach zu weiter sinkenden Spenderzahlen, sondern dazu, dass die Menschen über dieses wichtige Thema nachdenken und eine wohlüberlegte Entscheidung treffen- als Paulchens Mama kann ich mir das nur wünschen.

die hasenfrau

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Flaschen-Fiasko und Still-Scherereien

Hallo ihr Lieben,
ich habe mich eine ganze Weile schon nicht mehr gemeldet- zum einen gab es vom kleinen Paule-Mann nierentechnisch nichts Neues, zum anderen war es hier auch ziemlich stressig.
Eigentlich hatte ich mich ja entschieden, weiter so gut es geht voll zu stillen, leider ist das nicht so einfach wie erhofft. Der kleine Mann ist zwar glücklich, wenn er an die Brust darf, aber mindestens genauso unglücklich, wenn da nicht so viel rauskommt, wie er gerne hätte. Zwischendurch müssen wir also doch immer mal wieder zur Flasche greifen. Manchmal nimmt er sie ohne Probleme, trinkt und grinst dabei und wirkt auch ziemlich glücklich- aber manchmal schreit er wie am Spieß, sobald die Flasche nur seine Lippen berührt. Dann ist es auch fast unmöglich, ihn zum trinken zu überreden. Durch die ganze Aufregung und das Schreien spuckt er dann meist auch die paar Milliliter, die er dann vielleicht doch getrunken hat auch wieder aus. Das ist natürlich weder für ihn noch für mich schön. Dummerweise ist er ja eh schon zu leicht und zu klein, das heißt, er braucht seine Kalorien und natürlich vor allem auch die Flüssigkeit für seine Nieren. Ich bin manchmal wirklich verzweifelt. Jetzt trinke ich wie blöd Stilltee, in der Hoffnung, dass sich die Milchproduktion wieder etwas steigert und wir die Flasche weniger häufig brauchen.
Diese ganze Situation macht mir sehr zu schaffen…. ich fühle mich schuldig, weil ich nicht mehr genug Milch für meinen kleinen Jungen habe und er deshalb aus der Flasche trinken muss. An der Brust ist er glücklich und die Flasche ist manchmal für ihn einfach nur der Horror- wenn ich noch genug Milch hätte, könnte ich das vermeiden. Das tut einfach weh und baut natürlich noch mehr Druck auf, was sicherlich auch nicht förderlich für die ganze Situation ist.

Insgesamt bin ich momentan ziemlich nah am Wasser gebaut. Wenn ich morgens aufstehe und an Paulchens Bett stehe und dieser kleine Kerl mich zahnlos angrinst und sich freut, dass ich da bin, zerreist es mir fast das Herz. Ich liebe ihn so sehr, dass es weh tut. Der Kontrolltermin im Krankenhaus rückt näher und näher und ich mag mir garnicht ausmalen was passiert, wenn wir schlechte Nachrichten bekommen. Ich würde alles tun, um alle diese Probleme von meinem kleinen Sohn fern zu halten, aber das kann ich nicht und das macht mich wirklich fertig. Manchmal mehr, manchmal weniger- im Moment ist es einfach unerträglich…

die hasenfrau 

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